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Sonntag, 13. September 2009

Bitte


Die Bitte an Andere kann eines der wichtigsten Bedürnisse von Menschen erfüllen:
Zum Wohlergehen von anderen Menschen beizutragen.
Deine Bitte um einen Gefallen kann anderen Menschen ein Geschenk machen.
Besonders wenn du in folgender Haltung an sie herantrittst:

(nach M.B. Rosenberg)
"Ich wäre dir dankbar, wenn du in dich hineinspürtest, im ganz sicher zu sein,
dass dich keines der folgenden Motive dazu bewegt, meiner Bitte zu entsprechen:

- Furcht vor meiner Reaktion, falls du meine Bitte nicht erfüllst,
- Hoffnung, dass ich dich mehr liebe, wenn du sie erfüllst,
- Schuld oder Scham, wenn du meiner Bitte nicht entsprichst,
- die Vorstellung, es sei deine Pflicht oder Aufgabe.

Das Leben ist zu kurz, um irgendetwas unter diesen Umständen füreinander zu tun!

Erfülle meine Bitte nur, wenn du es mit Freude tust, und wenn es deine Welt schöner sein lässt.
(aus "Praktische Selbst-Empathie" von Gerlinde Ruth-Fritsch)



Samstag, 29. August 2009

Schweigen spricht und positioniert



Man kann nicht nicht kommunizieren (Watzlawik)

Auch Schweigen und Nichthandeln haben Mitteilungscharakter!

Schweigen als Lüge und Betrug - wenn du an der Kasse zuviel Geld zurück bekommst, oder wenn du eine falsche Annahme deines Gegenübers (zu deinen Gunsten) nicht richtig stellst.

Schweigen als Zustimmung - wenn du ein Statement, das du hörst, oder eine Handlung, die du miterlebst nicht kommentierst, wird das als Zustimmung gewertet.
Indem du zu einem Unrecht oder einer Lüge schweigst, unterstützt du einen Täter und verrätst ein Opfer.

Schweigen aus Selbstschutz - vor Gericht zum Beispiel, um dich nicht selbst zu belasten. Oder gegenüber Vorgesetzten, indem du nicht aussprichst, was du denkst. Deinem Partner gegenüber, wenn du negative Folgen für dich vermeiden möchtest ( schadet der Beziehung enorm, wenn es nicht schon ein Symptom für eine gestörte Beziehung ist...)
Wenn der Nachbar seine Frau schlägt oder sein Tier quält und du dich bei ihm nicht unbeliebt machen willst.


Schweigen als Aufmerksamkeit - wenn du jemandem zuhörst und seine Worte auf dich wirken lässt (aktives Zuhören).

Schweigen als Überlegenheit - eine Schweigepause zum Überlegen nimmt sich nur, wer sich im Gespräch ruhig und selbstsicher fühlt. Zeugt von Souveränität und Selbstachtung, drückt Achtsamkeit und Sorgfalt für das Thema und das Gegenüber aus.

Schweigen als Druckmittel - im Kontakt mit Fremden wird Schweigen meist als unangenehm empfunden. Wer durch sein Schweigen den Gesprächspartner zum Reden bringt, wendet damit Gewalt an. Beliebt bei unfähigen Psychotherapeuten...

Schweigen als Selbsterfahrung - in sogenannten Schweigeretreats erleben Menschen einen anfangs schwer zu ertragenden direkten Kontakt mit sich selbst und sind, ihrer üblichen sozialen Interaktionsmöglichkeiten beraubt, in den schweigenden Begegnungen mit Anderen stark auf sich selbst zurück geworfen. Intensive Selbsterfahrung!

Schweigen als Gedenken - z.B. Schweigeminuten für Verstorbene. Kraftvolles Ritual!

Schweigen als Konzentration auf Eindrücke - eine Mahlzeit, ein Getränk, einen Spaziergang, einen Anblick schweigend aufnhemen und sich ganz darauf einlassen.

Schweigen als Ausdruck von Vertrauen - in guten Beziehungen besteht Vertrauen dazu, dass Schweigen frei von Negativbotschaften ist und man sich und dem Anderen nicht ständig plappernderweise zu versichern braucht, dass alles gut ist.

Schweigen aus Unsicherheit - wenn z.B. am Ende seiner Rede der Vortragende sich an sein Publikum wendet: "Hat jemand eine Frage?" ...

Schweigen als Kommunikationsverweigerung - Fragen nicht beantworten, Gesten nicht erwidern, "eisern" Schweigen und damit alle Kommunikationsangebote zurück weisen.

Schweigen als Bestrafung - elterliche Gewalt gegen Kinder und vor allem bei Frauen beliebte non-verbale Aufforderung: "Los, frag mich, was du mir angetan hast!"

Schweigen als Last - wenn das Gewissen drückt oder wenn man zugleich Opfer und einziger Zeuge ist, vom Täter aber mittels Machtgefälle zum Schweigen erpresst wurde. (Das Schweigen brechen)


Schweigen als Verdrängung - Sprechen über unangenehme, gar schlimmer, Erlebnisse re-aktiviert die schlechten Gefühle des Geschehenen. Besser: durch fühlen, verarbeiten, sich beistehen lassen, es mit jemandem teilen.


Schweigen als Gute Miene zum Bösen Spiel - wer sich nicht gegen Kränkungen wehrt, sondern mitspielt, bedient sich Anderer, um seinen Selbsthass zu delegieren. Macht depressiv, staut Wut an, die dann als subtile Gemeinheiten gegenüber Schwächeren entweichen können, bringt kurzfristige Vorteile, die mit langfristigen Nachteilen bezahlt werden müssen.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold?
Reden an der richtigen Stelle und Schweigen, wenn es angebracht ist, ist eine Platinmine mit Diamanten!

Dienstag, 25. August 2009

Übermorgen glücklich?


Auf welches Ereignis lebst du zu, im Glauben, mit diesem Ereignis werden sich bei dir gute Gefühle einstellen?

Na komm...
Hand auf's Herz....
Sei ehrlich zu dir - es lohnt sich.

Ist es der nächste Urlaub? Oder die nächste Begegnung mit einem bestimmten Menschen? Vielleicht die Hoffnung auf einen Geldgewinn in der Lotterie?
Das neue Auto, auf das du sparst?

Es wird nicht funktionieren. Natürlich kannst du Glück haben und Geld gewinnen. Selbstverständlich kann es schön werden mit Person X. Vermutlich wirst du dir ein neues Auto kaufen können, wenn du lange genug gespart hast, und der nächste Urlaub kommt bestimmt.

Aber hast du je erlebt, dass die Erwartungen, die du in Bezug auf dieses zukünftige Ereignis hegtest, sich erfüllt hätten?

Hat es sich je gelohnt, den Alltag, wie er war, zu ertragen und die guten Gefühle zu verschieben?

Denn genau das passiert, während du auf sie wartest: Du versäumst es währenddessen, glücklich zu sein.
Der Glaubenssatz: "Ich werde glücklich sein, wenn..." hat den Nebensatz "...aber nicht jetzt."
Im besten Fall vergeudest du wertvolle Lebenszeit in immer anderen Warteschleifen. Im Schlimmsten wirst du enttäuscht sein, wenn es sich dann dereinst, am Tag X, doch ganz anders anfühlt als ertäumt. Wenn der Urlaub ein Desaster ist oder viel zu schnell vorbei, vielleicht fade, weil du einfach nicht weisst, wie man in der Gegenwart gut lebt.
Das neue Auto wird schnell gewöhnlich, und vom Neid der Nachbarn kann man auch nicht lange zehren.

Dieses Verschieben des guten Lebens auf einen späteren Zeitpunkt hat gute Gründe aber keine gute Wirkung.

Da gibt es diesen magischen Glauben, du könntest einen Anspruch auf Glück erwerben, wenn du es dir zuerst versagst.
Sowas wie ein angespartes Guthaben...

Beliebt bei Menschen, die sich für so wertlos halten, dass sie sich alles Gute erst mal verdienen müssen.



Und es gibt diesen Selbstbetrug, dieses sich um sich selbst und seine Wahrheit herum Mogeln. Damit dir nicht auffällt, dass du dich gar nicht selbst glücklich machen kannst oder willst.

Würdest du das an dich heran lassen, müsstest du nämlich noch eine Ebene tiefer in dich gehen. Dich erforschen:
Bist du überhaupt erwachsen geworden und sorgst in jeder Hinsicht für dich sebst, oder bist du immer noch abhängig von der Zuwendung und Liebe anderer?
Bist du ein verletztes Kind, das innerlich immer noch leidend vor den Eltern steht? So lange, bis sie dich endlich sehen, nehmen, heile machen?

Bist du ein Opfer, das glaubt, aufgrund seiner Schmerzen und Entbehrungen einen Anspruch auf Wiedergutmachung durch die Welt und das Schicksal erworben zu haben? Beharrst du darauf und weigerst dich, etwas anderes zu tun bis die Welt und das Schicksal sich endlich einsichtig zeigen und dir geben, was du glaubst, dass dir zustünde?

Am wahrscheinlichsten ist, dass du ganz einfach nie gelernt hast, wie schön das Leben die ganze Zeit schon ist, und was du tun kannst, um das zu erkennen.
Dafür gibt es ja auch nur in den allerwenigsten Familien eine Kultur. Und meist machen wir grad so weiter, wie wir das mal gelernt haben: Kaufen, Ablenken, auf eine bessere Zukunft hoffen, auf Märchenprinzen und -prinzessinnen warten, oder wenigstens auf ein besseres Leben nach dem Tod.

Spricht etwas dagegen, jetzt gleich glücklich zu sein?
Falls nicht, finde heraus, was du jetzt brauchst und gib es dir. Tu es für dich. Sei gütig und fürsorglich zu dir.
Erkenne das Schöne, das dich umgibt.
Mach jemandem eine Freude (aber ohne Erwartungen an dessen Dank - tu es für dich, einfach weil du es kannst!)
Umarme einen Baum.
Beobachte glückliche Menschen und finde heraus, was sie anders machen als du.
Beobachte unglückliche Menschen und frage dich, inwiefern du es ebenso machst, wie sie.
Achte darauf, wann du glücklich bist und merke dir, wie du das geschafft hast.
Mogle nicht! Glück aus zweiter Hand, also von anderen Menschen gemacht, gilt nicht.
Sprich jeden positiven Gedanken laut aus.
Bedanke dich jeden Abend beim Einschlafen für den zurück liegenden Tag.

Verzeih dir immer wieder, wenn dich die Bequemlichkeit oder der Selbsthass, deine Dummheit oder deine irrsinnigen Zukunftshoffnungen davon abgehalten haben, das Leben zu genießen.

Ändere dein Leben, falls nötig.

(Foto: oldskoolman.de)

Montag, 24. August 2009

Ich habe das Gefühl...

Ach ja?
Sicher, dass es sich dabei um ein Gefühl handelt?

"Ich habe das Gefühl, sie mag mich nicht."
"Ich habe das Gefühl, ich bin hier überflüssig"
"Ich habe das Gefühl, die akzeptieren mich nicht."

Sätze wie diese beschreiben Pseudo-Gefühle.
Wenn sich in deiner Aussage Formulierung "Ich habe das Gefühl" auch ersetzen ließe durch "Ich glaube", "Ich vermute", "Ich habe den Eindruck", "Ich halte mich/jemanden für" oder auch "Ich denke",

dann handelt es sich hier de facto um Vermutungen, Interpretationen, Projektionen, Eindrücke oder Rückschlüsse - um Gedanken.


(Foto: www.artfavour.com)



Gefühlskompetenz

Gefühle zu haben ist ausgesprochen sinnvoll. Sie sagen uns nicht nur, was wir gerade brauchen, sie geben auch Signale an andere Menschen.

Die Gefühle Freude * Angst * Interesse * Traurigkeit * Ärger * Ekel * Scham * Schuld und Überraschung werden in allen menschlichen Kulturen mimisch völlig übereinstimmend ausgedrückt.


Gefühle zu haben bedeutet, ganz lebendig und im guten Kontakt mit der Welt zu sein.


Du kannst eine Menge tun, um die guten Gefühle einzuladen. Auch wenn es vielleicht paradox klingt: Die guten Gefühle gibt es, wenn alle - auch die schwierigen Gefühle - da sein dürfen. Gefühle lassen sich nämlich nicht selektiv wahrnehmen. Entweder du fühlst - und zwar alles - oder du fühlst nicht.

Das bedeutet, dass du für immer auf Liebe verzichtest, wenn du dir nie mehr weh tun lassen willst.
Es bedeutet, dass du garantiert depressiv wirst, wenn du deine Wut nicht mehr fühlst.
Es bringt mit sich, dass du ein echt heimtückischer Stinkstiefel wirst, wenn du beschlossen hast, nur noch Licht und Liebe zu sein.
Es könnte der Grund sein, weshalb du zwar konstant harmonisch und liebevoll mit deinem Partner zusammen lebst, aber deine Libido sich verabschiedet hat.
Es führt dazu, dass du die Leere, die durch die Abwesenheit von Gefühlen entstanden ist, mit Essen, Konsum oder Arbeit zu füllen versuchst.
Es macht, dass du dich immer mehr vor Gefühlen fürchtest, weil deine Kompetenz, Gefühle zu händeln, verkümmert ist, wie ein lange nicht bewegter Muskel....



Und das alles nur weil dir der Mut gefehlt hat, ein Gefühl anzunehmen, es durch laufen zu lassen und daran zu wachsen?

* Hat dir, als du ein Kind warst, jemand eingeredet, nur schlechte Menschen hätten schlechte Gefühle?
* Musstest du dich schuldig fühlen, weil dein kindlicher Zorn, dein gesunder Eigennutz, deine natürliche Abgrenzung, deine tiefe Traurigkeit angeblich Gott oder deine Eltern so tief zu kränken vermochte, dass sie an dir leiden mussten?
* Gab es ein Trauma (emotionale, sexuelle, körperliche Gewalt), das so unerträgliche Gefühle verursachte, dass deine Seele die Notbremse ziehen musste?
* Gab es verrückt machende Unterschiede zwischen dem, was die Erwachsenen behaupteten und dem, was du wahrgenommen hast?

Ja? Dann rede darüber - am besten mit einem Profi.

Nein? Dann fehlt dir nur etwas Kultur.
Achte also auf deine Worte, denn sie sagen dir, was du denkst.
Achte auf deine Gefühle, denn sie sagen dir, was du brauchst.

Teilnehmer von Aufstellungsseminaren berichten häufig, dass sie im Stehen in Stellvertreterrollen erstmals eindeutig und klar Gefühle wahrnehmen und benennen konnten.
Die Einladung, sich auf eine Rolle einzulassen, wahrzunehmen, welche Gefühle und körperlichen Empfindungen sich an einem bestimmten Platz einstellen und auf welche Weise diese sich verändern, wenn die Position verändert wurde oder etwas ausgesprochen wurde, macht für viele erstmals zum Auftrag, was lange verboten schien: Fühlen und Gefühle zeigen.

Es kann so freudig sein, selbst tiefe Trauer, heftige Wut oder massive Abscheu kommen zu lassen und auszudrücken. Mag es im Moment auch etwas anstrengend sein. Hinterher ist Leben in jeder Körperzelle und die Lust auf Erfahrungen und Begnungen in dieser unserer besten aller Welten erwacht und lässt dich hoffentlich nicht mehr los!


Denn die guten Gefühle brauchst du nicht zu suchen. Du wirst sie gar nicht verhindern können, wenn du nur Mut und Demut genug aufbringst, dich selbst in jedem Zustand wahrzunehmen - zu fühlen.






Mein Buchtipp zum Thema Gefühlskompetenz: